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Grüntee und Alchemilla: Tradition und aktueller Forschungsstand
Viele gynäkologische Beschwerdebilder – etwa PCOS, Zyklusstörungen oder metabolische Veränderungen in der Perimenopause – sind eng mit Entzündung, Darmmikrobiom und metabolischen Signalwegen verknüpft.
Zwei Pflanzenstoffe rücken in diesem Zusammenhang zunehmend in den Fokus der Forschung:
- Epigallocatechingallat (EGCG) aus Grüntee
- Alchemilla vulgaris (Frauenmantel)


Die vorliegenden Arbeiten untersuchen EGCG und Alchemilla nicht als gemeinsame Therapie. Sie liefern überwiegend präklinische Hinweise zu einzelnen Mechanismen. Daraus lässt sich derzeit weder eine klinische Wirksamkeit der Einzelstoffe noch ein Nutzen ihrer Kombination in der Frauenheilkunde ableiten.
EGCG, präklinische Befunde zum Darmmikrobiom
Eine aktuelle experimentelle Arbeit untersuchte isoliertes EGCG, nicht Grüntee oder Grüntee Extrakt, in einem Colitis Modell mit Mäusen sowie in ergänzenden Zellmodellen. Dabei standen die Darmmikrobiota, kurzkettige Fettsäuren, der Rezeptor GPR43 und die Th1 Polarisation im Mittelpunkt¹.
Die Forschenden berichteten, dass EGCG in diesem Versuchsrahmen mikrobiomabhängige Prozesse und entzündliche Immunreaktionen beeinflusste. Ergänzende korrelative Humandaten stützten einzelne mechanistische Zusammenhänge, belegen jedoch keine klinische Wirksamkeit von EGCG bei Menschen. Aussagen zu PCOS, Insulinresistenz oder perimenopausaler Gewichtszunahme lassen sich aus dieser Studie nicht ableiten.
Alchemilla – mehr als eine traditionelle Frauenheilpflanze
Der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris) wird in der traditionellen europäischen Pflanzenheilkunde bei Frauenbeschwerden verwendet. Eine narrative Übersichtsarbeit beschreibt Alchemilla Arten als Quelle von Polyphenolen, darunter Flavonoide, Tannine und phenolische Säuren. Die darin zusammengefassten Labor und präklinischen Untersuchungen berichten vor allem antioxidative, antimikrobielle und entzündungsbezogene Eigenschaften². Diese Befunde belegen keine klinische Wirksamkeit bei gynäkologischen Erkrankungen.
1. PCOS im Rattenmodell
In einem DHEA induzierten PCOS Rattenmodell wurden unter einem Alchemilla vulgaris Extrakt Veränderungen der Ovarmorphologie, von Entzündungsmarkern, endokrinen Markern und vaskulären Parametern beobachtet³.
- Veränderungen der Ovarmorphologie
- Veränderungen von TNF α als untersuchtem Entzündungsmarker
- Veränderungen vaskulärer Messwerte.
Diese Beobachtungen stammen ausschließlich aus einem Tiermodell und lassen sich nicht unmittelbar auf Patientinnen mit PCOS übertragen.
2. Ex vivo Biotransformation durch die Darmmikrobiota
Eine Ex vivo Studie mit Stuhlproben von drei gesunden Personen zeigte, dass Bestandteile eines Alchemilla vulgaris Extrakts durch die Darmmikrobiota umgewandelt wurden⁴. Die anschließend untersuchten Effekte betrafen normale und maligne Kolonzelllinien. Daraus lässt sich keine klinische Wirkung im menschlichen Körper oder bei gynäkologischen Beschwerden ableiten.
Die Arbeiten untersuchen unterschiedliche Ausgangsstoffe und Modelle. Die folgende Übersicht vergleicht deshalb nur die untersuchten Systeme und ihre Aussagegrenzen. Sie belegt keine gemeinsame Wirkebene und keine Synergie von EGCG und Alchemilla.
| Untersuchter Bereich | EGCG | Alchemilla |
| Material und Modell | Isoliertes EGCG in einem Maus Colitis Modell, ergänzenden Zellmodellen und korrelativen Humandaten¹ | Narrative Übersicht², DHEA induziertes PCOS Rattenmodell³ und Ex vivo Studie mit Stuhlproben und Zelllinien⁴ |
| Mikrobiombezug | Darmmikrobiota, kurzkettige Fettsäuren, GPR43 und Th1 Polarisation im experimentellen Modell¹ | Biotransformation von Extraktbestandteilen durch die Darmmikrobiota ex vivo⁴ |
| Gynäkologischer Bezug | Nicht untersucht | PCOS ausschließlich im Rattenmodell untersucht³ |
| Aussagegrenze | Kein klinischer Wirksamkeitsnachweis. Nicht mit Grüntee oder Grüntee Extrakt gleichzusetzen. | Kein klinischer Wirksamkeitsnachweis. Traditionelle Anwendung ist kein Wirksamkeitsbeleg. |
Die Ergebnisse dieser Arbeiten dürfen nicht zu einer Synergie oder einer therapeutischen Empfehlung für die Kombination zusammengeführt werden.
Praxisrelevanz für die funktionelle Frauenheilkunde
In der Praxis können bei PCOS, perimenopausalen Stoffwechselveränderungen, Zyklusstörungen und Darmbeschwerden mehrere Faktoren gleichzeitig eine Rolle spielen. Die vier hier ausgewerteten Quellen untersuchen jedoch keine Behandlung dieser Beschwerden mit einer Kombination aus EGCG und Alchemilla.
Aus den vorliegenden präklinischen und Ex vivo Daten lassen sich daher weder eine therapeutische Empfehlung noch eine Dosierung oder Einnahmeempfehlung ableiten. Die Ergebnisse liefern Ansatzpunkte für weitere Forschung, aber kein klinisch geprüftes Behandlungskonzept.

Fallbeispiel aus der Praxis
Eine 36 jährige Patientin stellte sich mit Kinderwunsch, Zyklusunregelmäßigkeiten und Insulinresistenz vor. Im Fallbericht wurden ein PCOS mit metabolischer Komponente sowie eine leichte Dysbiose beschrieben.
Der dokumentierte multimodale Ansatz umfasste
- eine antiinflammatorische, ballaststoffreiche Ernährung
- regelmäßige Bewegung
- Stress und Schlafregulation
- eine begleitende phytotherapeutische Anwendung von EGCG und Alchemilla.
Nach sechs Monaten wurden im Fallbericht folgende Veränderungen beschrieben:
- eine stabilere Zyklusregulation
- eine Verbesserung der Insulinensitivität
- eine Reduktion entzündlicher Marker
- sowie eine Stabilisierung der Darmmukosa.
Da Ernährung, Bewegung, Stress und Schlafregulation sowie die phytotherapeutische Begleitung gleichzeitig eingesetzt wurden, lässt sich die zeitliche Beobachtung keinem einzelnen Bestandteil und auch nicht der Kombination aus EGCG und Alchemilla ursächlich zuordnen. Das Fallbeispiel ist kein klinischer Wirksamkeitsnachweis.
Fazit
Die vorhandene Literatur beschreibt überwiegend präklinische und Ex vivo Befunde. Für isoliertes EGCG wurde unter anderem eine mikrobiomabhängige GPR43 und SCFA Achse in einem experimentellen Colitis Modell untersucht¹. Für Alchemilla liegen eine narrative Übersicht zu phytochemischen und präklinischen Befunden², ein PCOS Rattenmodell³ und eine Ex vivo Untersuchung zur mikrobiellen Biotransformation⁴ vor.
Klinische Aussagen zur Behandlung gynäkologischer Erkrankungen, zur Dosierung oder zum Nutzen einer Kombination aus EGCG und Alchemilla lassen sich aus diesen Quellen nicht ableiten.

Quellen
- Che S, Qin B, Wu K et al. EGCG drives gut microbial remodeling-induced epithelial GPR43 activation to lessen Th1 polarization in colitis. Redox Biology. 2024;75:103291. DOI 10.1016/j.redox.2024.103291. PMID 39116526.
- Kanak S, Krzemińska B, Celiński R, Bakalczuk M, dos Santos Szewczyk K. Phenolic Composition and Antioxidant Activity of Alchemilla Species. Plants. 2022;11(20):2709. DOI 10.3390/plants11202709. PMID 36297733.
- Utkan Korun ZE, Gocmez SS, Furat S et al. Beneficial Effects of Alchemilla vulgaris in DHEA-Induced Rat Model of Polycystic Ovary Syndrome. Reproductive Sciences. 2025;32(7):2453 bis 2466. DOI 10.1007/s43032-025-01885-9. PMID 40550985.
- Jakimiuk K, Kruk A, Lemieszek MK et al. Ex vivo biotransformation of lady’s mantle extracts via the human gut microbiota: the formation of phenolic metabolites and their impact on human normal and colon cancer cell lines. Frontiers in Pharmacology. 2025;16:1504787. DOI 10.3389/fphar.2025.1504787. PMID 39911846.
Bilder: Canva
